Der Opel Admiral – Bj. 1969 – die deutsche Antwort auf die Amerikanischen Muscle Cars

2018 haben wir diesen Opel nach einer Standzeit von 6 Jahren wieder in Betrieb genommen. Der Vergaser wurde instandgesetzt und natürlich die relevante Technik (Bremsen, Fahrwerk, etc.) wurde überarbeitet. Details unserer Arbeit an diesem imposanten Fahrzeug finden Sie am Ende der Geschichte!

Die beiden Bilder unten zeigen das Fahrzeug ca. 2012 und wurden uns zur Verfügung gestellt.

Dieser Opel Admiral hat seine eigene Geschichte.
Die Besitzerin kommt zu Wort und erzählt die bewegende Story von IHREM Opel.

Mein Traum vom Admiral

Alles begann im Alter von 17 Jahren, als ich mich nach einem passenden ersten Auto umgesehen habe. In Internet stieß ich auf ein Bild von einem Admiral B in schwarz. Für mich war klar:

Irgendwann möchte ich so ein Auto besitzen. Es ist genau DAS Auto, das ich mir wünsche!

Bis es soweit war, erfüllte allerdings erst einmal ein Astra F den Dienst des ersten Autos.

Den Traum vom Admiral hatte ich aber weiterhin.

Wie das Leben so spielt, entpuppte sich mein damaliger Mann als ebenso autoverrückt wie ich. Eine eigene Werkstatt war vorhanden, später sogar eine Hebebühne und sein landwirtschaftliches Anwesen bot Platz im Überfluss. Im Laufe der Zeit suchten wir dann gezielt nach einem Admiral. Bei Mobile haben wir ihn im Jahr 2003 gefunden: Ein weißer Admiral B 2.8H mit Doppel-Zenith-Vergaser, Bj. 1969, Standort: Ruhrpott. Wir setzten uns mit dem Verkäufer in Verbindung und der Kauf wurde beschlossen.

Dann das erste Problem:

Wir hatten zwar einen Pkw-Anhänger, dieser war aber viel zu klein für einen Admiral. Also haben wir einen befreundeten Besitzer eines Autohauses gefragt, ob wir uns von ihm einen passenden Anhänger leihen dürften. Glücklicherweise bekamen wir diesen und so konnte es am Wochenende losgehen. Ganz aufgeregt fieberte ich meinem Traum entgegen, einen Admiral zu besitzen.

Beim Verkäufer angekommen, sahen wir das Elend. Das Fahrzeug war durch die lange Standzeit im Freien mehr grün als weiß, der Rost hatte sich ordentlich ausgebreitet, die Reifen waren platt – die Bremsen fest (bei der langen Standzeit auch normal). Also musste die Seilwinde des Anhängers ran, um das Fahrzeug auf den Hänger zu ziehen. Aber auch dies war letztendlich geschafft. Stolz machten wir uns auf den Heimweg.

Spät abends zu Hause angekommen, standen wir vor dem nächsten Problem. Das Auto musste vom Hänger runter und abgestellt werden. Da ja nun die Bremsen fest, und das Fahrzeug nicht fahrbereit war, mussten wir ihn ja irgendwie herunter bekommen. Schließlich musste der Anhänger am nächsten Tag wieder abgegeben werden. Wir versuchten es mit gemeinsamer Kraft. Hierbei hatte sich dann auch noch der verrostete Auspuff verkeilt, sodass dieser noch kurzerhand durchgeflext werden musste. Nach einiger Zeit und Anstrengung war dann aber auch diese Hürde genommen und das Fahrzeug stand bei uns im Hof.

Nun stand er also erst einmal zu Hause – mittlerweile im ehemaligen Stall. Die darauf folgenden Tage erfolgte erst einmal die Bestandsaufnahme:

Welche Teile müssen besorgt werden?
Woher bekommen wir die Teile?
Wie viel Budget muss geplant werden?

Etc. Etc.
Stück für Stück begannen wir, ihn in seine Einzelteile zu zerlegen. Alles wurde mit Fotos dokumentiert, damit beim späteren Zusammenbau alles wieder seinen Platz finden konnte (vor allem bei den vielen Zierleisten war das alles gar nicht so einfach).

Eigentlich sollte er unser Hochzeitsauto im darauf folgenden Jahr, 2004,  werden. Nachdem wir parallel aber dringend noch das Haus sanieren mussten (wirklich dringend!) und eine Familie gründen wollten, schoben wir das Projekt Admiral in den Hintergrund. Gut, immerhin war er ja schon da und die Bestandsaufnahme war gemacht.

Nach und nach haben wir uns Teile besorgen können. Kotflügel und Heckklappe mussten neu her, Dichtungen, Buchsen, Gelenke. Motor und Getriebe waren soweit okay. Die Vergaser wurden per Ultraschall gereinigt und weitmöglichst in Stand gesetzt. Die Sitze wurden von unserem Nachbarn, einem Polsterer, mit Echtleder bezogen und originalgetreu abgesteppt. Himmel und Teppich waren noch in Ordnung und mussten glücklicherweise nicht besorgt werden. Die Karosse wurde sandgestrahlt, dann grundiert und lackiert. Letztlich wurde alles wieder Stück für Stück zusammengefügt.

Dennoch zog sich das Projekt ganze 8 Jahre lang hin. Bis es 2011 endlich so weit war und wir beim TÜV vorfahren konnten! TÜV bestanden, H-Abnahme erfolgt.

Der Traum auf vier Rädern wurde nun endlich wahr.

Und ich konnte mit meinem eigenen Admiral zu den vielen Oldtimertreffen fahren, die ich sonst schmachtend und reumütig nur als Besucher genießen konnte. Wann immer es möglich war, habe ich ihn auch im Alltag gefahren. Für mich war das Entspannung und Erholung pur … einfach nur fahren und genießen!

Wie das Leben so spielt, das Schicksal wollte es anders. 2012 zerbrach die Ehe und ich musste aus dem Haus meines damaligen Mannes ausziehen. Ich konnte mir nur eine Wohnung leisten. Nun stand ich vor einigen Problemen, unter anderem:

  • Wo stelle ich meinen Admiral hin?

Da in der Umgebung keine passende Garage anzumieten war, musste der Admiral im Freien stehen – was mir schon arg missfallen hat, ja fast schon weh getan hat. Zusätzlich war ja auch noch das Alltagsfahrzeug (noch immer der Astra F) unter zu bekommen… Im Sommer mag das ja noch zu verkraften sein, aber nach jedem Sommer folgt bekanntlich der Winter.

  • Wo kann mein Admiral überwintern?

Also musste ich mich schleunigst nach einer Möglichkeit umsehen, um ihn im Winter ordentlich untergestellt zu wissen. Glücklicherweise habe ich aber auch dieses Problem lösen können und habe einen Platz in der Halle eines Freundes bekommen. Also eine Sorge weniger.

So konnte ich den Sommer genießen und meinen „Hübschen Schwarzen“ regelmäßig ausfahren. Trotz dieser Glücksgefühle wanderten meine Gedanken zu der Frage:

  • Wie und wo habe ich die Möglichkeit ihn zu warten und zu reparieren, wer hilft mir dabei und wie stemme ich das finanziell?

Es kam, wie es kommen musste… Bei einer abendlichen Ausfahrt im September 2012 ging der Motor während der Fahrt aus. Einfach aus und war partout nicht mehr zum Laufen zu bekommen. So stand ich da – mitten auf der Bundesstraße in der Kurve – im Dunkeln. Nach gefühlten tausend Versuchen habe ich ihn glücklicherweise doch noch soweit zum Laufen gebracht, dass ich ihn aus der „Gefahrenzone“ heraus und auf die Seite fahren konnte. Also musste ich erst mal nach Hause. Mit Hilfe meines damaligen Lebensgefährten wurde das Fahrzeug abgeschleppt. Und so stand er dann wieder zu Hause auf dem Parkplatz…

Er konnte aber natürlich nicht dauerhaft dort stehen bleiben, zumal auch der Winter vor der Tür stand. Nach Absprache mit meinem Bekannten – bei welchem er ja über den Winter stehen sollte, konnte ich den Admiral gleich hin bringen. Natürlich im Schlepptau… Aber immerhin war er erst mal gut untergebracht und ich konnte mir in Ruhe Gedanken machen.

Aus finanzieller Hinsicht, ich war allein erziehend, und das auch noch während der Elternzeit, war natürlich nicht an eine Fachwerkstatt zu denken. So schöpfte ich alle Möglichkeiten aus, mich an Freunde und Bekannte zu wenden, um Hilfe zur Reparatur zu bekommen. Hier und da wurden Kleinigkeiten erledigt, u. a. der Pumpenkolben im Vergaser getauscht. Aber gelaufen ist er dennoch nicht wirklich. Abermals musste ich ihn schweren Herzens stehen lassen…

Immer wenn ich meinen „Hübschen Schwarzen“ in der Halle meines Bekannten besuchte, wurde mir ganz anders. Ich brachte es teilweise gar nicht fertig, ihn anzusehen, weil mir das Herz so blutete.

Durch das finanzielle Auf und Ab war eine Reparatur durch einen Fachmann für mich unmöglich und im Hinblick auf meine wirtschaftliche Situation dachte ich sogar über einen Verkauf nach. Auch wurde mir aus dem Freundeskreis und der Familie zu einer Veräußerung geraten. Es sei völlig absurd, den Admiral ohne finanzielle Mittel herrichten zu wollen. Und was ich denn damit wolle …

Aber das kann ich nicht! Das will ich nicht!

Ich kann und will meinen Traum nicht aufgeben!!!

Immer wieder spielte ich sämtliche Szenarien im Kopf ab, wie es möglich ist, meinen Admiral wieder fahrbereit auf die Straße zu bekommen. Leider ohne wirklich eine Lösung zu finden.

Und so stand er … volle 6 Jahre!

Und immer und immer wieder hoffte ich auf eine Lösung, um meinen großen Traum wieder verwirklichen zu können.

Eines Abends fing mein jetziger Mann mit mir ein Gespräch an… über IHN, über MEINEN ADMIRAL. (Er hatte ja über eine geraume Zeit mitbekommen wie sehr mir dieses Auto am Herzen liegt und wie traurig und betrübt ich bin, wenn ich darüber spreche. Oft habe ich das Thema gleich abgeblockt, weil es mir so weh tat, zu wissen, dass ich ihn zwar besitze, aber ihn dennoch nicht habe.)

Er meinte, er hätte eine Überraschung für mich…

Um mir meinen großen Herzenswunsch zu erfüllen, hat er sich heimlich mit Klassiker-Restaurierung BEYER in Verbindung gesetzt, um eine Möglichkeit zu finden, meinen Admiral zu reparieren! Ich war sprachlos – hielt ihn gar für verrückt, da ich es als unmöglich sah, dass ich bzw. wir in der Lage sind, die Instandsetzung finanzieren können!

Ich bin noch immer sprachlos und so überglücklich, gerührt und unendlich dankbar, dass ihr mir/uns das alles ermöglicht! Ohne euch hätten wir das nie geschafft! Und in Zeiten wie diesen ist es schier unglaublich, dass es Menschen wie euch gibt – die völlig selbstlos helfen, Träume zu verwirklichen! Ich kann es noch immer nicht wirklich glauben…

… und ich liebe diesen Traum!!!!

Ankunft des Opel Admiral bei uns

Ja, und nun unsere Sicht der Dinge …

Anfang 2018 kamen wir in eine Halle, in der dieses seltene und imposante Fahrzeug stand. Der erste Eindruck war gar nicht so schlecht, so ganz in Schwarz. 6 Jahre Standzeit – okay, das wird eine Inbetriebnahme. Die Vergaser sollen nicht gehen? Na, mal sehen, Vergaser sind kein Hexenwerk!

Eine junge Familie mit 3 Kindern, wenig Geld und ein Fahrzeug, das nicht sehr viel wert ist, aber inzwischen sehr selten auf deutschen Straßen zu sehen ist.

Nach Überlegungen haben wir versucht, mit „Sonder- Sonderkonditionen“ zu helfen. Im August 2018 begann die Instandsetzung und auf den letzten Drücker, im Oktober 2018, damit die Saison noch genutzt werden konnte,  brachten wir das Fahrzeug wieder auf die Straße.

Hier nun die Ankunft des Opel Admiral und dann ein paar technische Impressionen!

Der Zenith INAT sollte DAS Problem an dem Admiral sein?
Na, mal sehen!

 

Nach dem Waschen – der erste Eindruck, ein wirklich imposantes Fahrzeug.

Tatsächlich, der erste Verdacht bestätigt sich. Ein Vergaser hat ein Loch und damit kann auch der zuverlässigste Motor nicht mehr laufen. Mit dem Kunden haben wir abgesprochen – der Vergaser wird aktuell mit Metallspachtel (benzinresistent) erst einmal repariert. Aber mittelfristig muss ein neuer Vergaser her.

Nach der langen Standzeit kommt das Standardprogramm – die Große Klassikerinspektion mit Protokoll – bei uns zum Einsatz:

— Klassikerinspektion —
A – Sichtprüfungen Div.
B – Prüfungen und Arbeiten am kalten Motor
C – Prüfungen und Arbeiten an der Zündanlage
D – Prüfungen und Arbeiten am Vergaser / Einspritzanlage
E – Prüfungen und Arbeiten am warmen Motor
F – Servicearbeiten + Prüfung Bremsen
G – Bemerkungen / Sonstigen
H – Probefahrt

— SIEHE PROTOKOLL —

Alle Schläuche im Motor werden geprüft und ggf. ersetzt. Filter und Öle werden getauscht. Vergaser, Zündung und Ventile eingestellt. Bremsen gecheckt und ggf. Beläge oder Bremszylinder ersetzt. Am Fahrwerk die Verschleißteile ersetzt, wenn erforderlich. Und vieles mehr, was durch uns festgestellt wird, damit das Fahrzeug wieder sicher auf die Straße kommt.

Als Werkstatt, die sich nur um Klassiker und Oldtimer kümmert, haben wir uns in den letzten Jahren diverse Protokolle erarbeitet, um den Kunden ein reproduzierbares und nachvollziehbares Ergebnis vorlegen zu können. Die Klassikerinspektion mit Protokoll ist eines davon.

Nach den ersten Probefahrten hat Anfang Oktober der Hauptbremszylinder seine Funktion eingestellt. SO EIN ÄRGER. Jetzt wird es knapp, dass unsere Kundin dieses Jahr noch fahren kann. Die Teilesuche läuft auf Hochtouren.

Einbau des Hauptbremszylinders — gerade noch rechtzeitig angekommen, dass unsere Kundin die letzten 14 Tage im Jahr IHREN Opel Admiral noch fahren kann.

SUPER!

Nächstes Jahr zu Beginn der Saison wird der kostenlose Nachcheck ausgeführt.

Wir freuen uns!

Abschlußfotos müssen auch auf 2019 verschoben werden.

WIR SEHEN UNS ANFANG 2019 WIEDER!